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DJ MÄRKTE EUROPA/Börsen bauen Verluste mit US-Aktienmärkten aus



FRANKFURT (Dow Jones)--Europas Börsen bauen die Verluste am Mittwochnachmittag aus. Die zweite Corona-Welle gewinnt an Intensität, Verbraucher sind verunsichert und die Politik wirbt für das Zuhausebleiben. Verschiedene Medien berichten bereits von Kontaktverboten ab Montag und anderen Einschränkungen in Deutschland, auf die sich der Bund-Länder-Gipfel geeinigt haben soll. Es zeichnent sich ein "Lockdown Light" ab mit der Schließung von Restaurants und Gaststätten. Während die bereits seit längerem steigenden Infektionszahlen der Coronavirus-Pandemie lange Zeit von den Investoren nahezu negiert wurden, werden die von einem erneuten Lockdown ausgehenden Risiken für die Wirtschaft und die Unternehmen nun deutlich höher bewertet.

Der DAX verliert 4,4 Prozent auf 11.528 Punkte, der Euro-Stoxx-50 fällt um 4 Prozent auf 2.946 Punkte. Auch an Wall Street geht es mit den Kursen scharf nach unten. In Frankreich dürfte Präsident Emmanuel Macron am Abend laut Berichten einen einmonatigen Lockdown verhängen. "Der Konsum dürfte auf jeden Fall leiden, und die Gefahr von Pleitewellen nimmt weiter zu", sagt ein Marktteilnehmer. "Wenn der Lockdown so wie vorgeschlagen beschlossen wird, erwarten wir für das vierte Quartal gegenüber dem dritten nicht mehr wie bisher ein Plus von 1 Prozent. Stattdessen würden wir uns über eine schwarze Null freuen, wobei das Risiko einer zweiten Rezession deutlich gestiegen ist", so die Commerzbank.

   Berichtssaison verläuft recht freundlich 

Die laufende Berichtssaison setzt derweil bei den Einzelwerten die Akzente. Während der Bankensektor im Schnitt um 3,4 Prozent nachgibt, geht es für die Aktie der Deutschen Bank nur um 0,8 Prozent nach unten. Die Geschäftszahlen sind besser als erwartet ausgefallen. Die Citigroup verweist vor allem auf die Stärke des Investmentgeschäfts: Die Einnahmen seien um 13 Prozent gestiegen, die der Investmentbanksparte um 43 Prozent. Commerzbank fallen um 2,5 Prozent.

Der Vermögensverwalter DWS hat im dritten Quartal weitere Kundengelder eingeworben. Zudem verdiente die Tochter der Deutschen Bank vor Steuern sowohl im Vergleich zum Vorjahr als auch zum zweiten Quartal auch dank deutlich niedrigerer Kosten mehr. Die Nettomittelzuflüsse erreichten im Zeitraum von Juli bis September 10,5 Milliarden Euro nach 8,7 Milliarden im Vorquartal. Analysten hatten mit Zuflüssen von 5,3 Milliarden gerechnet. Für die Aktie geht es um 0,8 Prozent nach oben.

Gegen den schwachen Markt in Europa zeigen sich KPN vergleichsweise stabil mit minus 0,7 Prozent. Der Telekomsektor gibt derweil um 2,6 Prozent nach und ist damit einer der "stärksten" in Europa. KPN hatte gute Geschäftszahlen zum dritten Quartal vorgelegt. Die Gewinnkennziffern lagen unter anderem durch stärkere Kostensenkungen leicht über Erwartung.

   Beiersdorf mit überraschend konservativem Ausblick 

Mit äußerster Verwunderung blicken Händler auf das Kursminus von 6,2 Prozent bei Beiersdorf. "Das kann man beim besten Willen nicht mit irgendwelchen Corona-Sorgen oder dem konservativen Ausblick rechtfertigen", sagt ein Händler mit Blick auf die Umsatzzahlen. Doch genau das tut die Citigroup, die dem Konsumgüterriesen einen überraschend konservativen Ausblick attestiert. Dieser impliziere nach einem starken Quartal keine weitere Verbesserung im vierten.

Im Autosektor geht es für Peugeot nach Zahlenausweis um 3,7 Prozent nach unten. Die NordLB bekräftigt ihre Verkaufsempfehlung. An der Fusion von PSA mit Fiat Chrysler zum Stellantis-Konzern führe kein Weg vorbei. "Allein sind beide Unternehmen mit Blick auf die Elektromobilität, das Autonome Fahren, aber auch die Corona-Pandemie kaum langfristig überlebensfähig", so das Haus. Fiat Chrysler verlieren trotz besserer Geschäftszahlen 3,7 Prozent. Der Autosektor verliert 4,8 Prozent und stellt damit bislang den Tagesverlierer an den europäischen Börsen.

Trotz etwas besserer Geschäftszahlen geben Eni 3 Prozent nach. Auch Glaxosmithkline verlieren trotz besserer Geschäftszahlen 4,1 Prozent. Der bereinigte Gewinn je Aktie liegt mit 35,6 Pence deutlich über der Schätzung von gut 30 Cent.

   Doppelt so hohe Bestellungen bei Delivery Hero 

Delivery Hero gewinnen gegen den Trend 2,6 Prozent. "Mit der Diskussion um den zweiten Lockdown wären die Aktien sowieso die Börsenfavoriten gewesen", sagt ein Händler. Nun werde dies noch mit harten Fakten untermauert. Das Wachstum laufe so stark wie erhofft, im dritten Quartal verdoppelten sich die Bestellungen gegenüber dem Vorjahr. Entsprechend wird die Umsatzprognose für das Gesamtjahr noch nach oben präzisiert.

Für Morphosys geht es um 0,6 Prozent nach oben. "Der Ausblick liegt nun deutlich über den Erwartungen", heißt es im Handel. Corestate setzen ihre Verluststrecke fort und fallen 9,5 Prozent. "Der überraschend schnelle Weggang des CEO war der Genickbruch für die Aktie", sagt ein Händler. Nach einer Gewinnwarnung geht es für Cancom um 13,8 Prozent nach unten.

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Aktienindex              zuletzt      +/- %        absolut      +/- % YTD 
Euro-Stoxx-50           2.948,02      -3,99        -122,58         -21,28 
Stoxx-50                2.693,59      -3,38         -94,17         -20,85 
DAX                    11.531,94      -4,41        -531,63         -12,96 
MDAX                   25.824,74      -2,93        -780,04          -8,79 
TecDAX                  2.828,11      -2,96         -86,35          -6,20 
SDAX                   11.398,38      -3,94        -468,06          -8,90 
CAC                     4.543,01      -3,97        -187,65         -24,01 
 
Rentenmarkt              zuletzt                   absolut        +/- YTD 
Dt. Zehnjahresrendite      -0,62                     -0,01          -0,86 
US-Zehnjahresrendite        0,76                     -0,01          -1,92 
 
DEVISEN                  zuletzt      +/- %  Mi, 08:28 Uhr  Di, 17:43 Uhr   % YTD 
EUR/USD                   1,1739     -0,35%         1,1784         1,1824   +4,7% 
EUR/JPY                   122,44     -0,56%         122,70         123,51   +0,4% 
EUR/CHF                   1,0689     -0,22%         1,0715         1,0724   -1,5% 
EUR/GBP                   0,9034     -0,10%         0,9023         0,9054   +6,8% 
USD/JPY                   104,30     -0,20%         104,25         104,45   -4,1% 
GBP/USD                   1,2994     -0,26%         1,3056         1,3061   -2,0% 
USD/CNH (Offshore)        6,7327     +0,23%         6,7149         6,7016   -3,4% 
Bitcoin 
BTC/USD                13.127,75     -4,47%      13.633,25      13.597,75  +82,1% 
 
ROHÖL                    zuletzt  VT-Settl.          +/- %        +/- USD   % YTD 
WTI/Nymex                  37,46      39,57          -5,3%          -2,11  -33,6% 
Brent/ICE                  39,16      41,20          -5,0%          -2,04  -36,1% 
 
METALLE                  zuletzt     Vortag          +/- %        +/- USD   % YTD 
Gold (Spot)             1.875,28   1.904,70          -1,5%         -29,42  +23,6% 
Silber (Spot)              23,18      24,28          -4,6%          -1,11  +29,8% 
Platin (Spot)             869,58     879,85          -1,2%         -10,28   -9,9% 
Kupfer-Future               3,04       3,09          -1,6%          -0,05   +7,5% 
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Kontakt zum Autor: manuel.priego-thimmel@wsj.com

DJG/mpt/flf

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October 28, 2020 11:16 ET (15:16 GMT)

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Quelle:Dow Jones  28.10.2020 16:16


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