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DJ MÄRKTE USA/Konjunkturängste lassen Aktienkurse abstürzen



NEW YORK (Dow Jones)--Die Panik ist wieder voll zurück: An den US-Börsen stürzen die Kurse zum Start der neuen Woche ab. Die überraschende Zinssenkung der US-Notenbank (Fed) vom Sonntag schürt eher Ängste als dass sie die Anleger beruhigt. Dazu gesellt sich ein verheerend schlecht ausgefallener Empire State Manufacturing Index. Gleich zum Start stürzte der Dow-Jones-Index um 9,7 Prozent ab. Der S&P-500 verlor 8,1 Prozent, worauf nach den Regeln des "Level-1-Circuit-Breaker" der Handel für 15 Minuten unterbrochen wurde.

Nach der Wiederaufnahme des Handels weiten sich die Verluste aus. Der Dow-Jones-Index bricht um 11,8 Prozent ein auf 20.439 Punkte, der S&P-500 sackt um 11 Prozent ab und der Nasdaq-Composite um 11,6 Prozent. Damit gehen sämtliche knapp 10-prozentigen Gewinne wieder verloren, die die US-Indizes in einer spektakulären Schlussrally am Freitag eingefahren hatten.

Die Fed senkte am Sonntagabend den Leitzins um 100 Basispunkte auf 0,00 bis 0,25 Prozent, den Diskontsatz um 150 Basispunkte auf 0,25 Prozent und den Mindestreservesatz auf 0,00 Prozent. Der Tagesgeldzielsatz ist damit so niedrig wie zuletzt Ende 2015. Darüber hinaus kündigte die Fed neue Ankäufe von Anleihen und Hypothekenpapieren staatlicher Agenturen an - alles um die Folgen der Coronavirus-Pandemie auf die Wirtschaft zu dämpfen.

Die Fed erhöht zudem die weltweite Versorgung mit Dollar-Liquidität, indem sie im Konzert mit anderen wichtigen Zentralbanken Dollar-Refinanzierungsgeschäft mit einer Laufzeit von 84 Tagen anbietet. Die Fed wird außerdem die seit einiger Zeit üblichen täglichen Repo-Geschäfte fortführen.

In seiner Stellungnahme zu den geldpolitischen Maßnahmen sagte Fed-Chef Jerome Powell, dass die Coronavirus-Pandemie die US-Wirtschaft im zweiten Quartal beeinträchtigen werde. Die Aussichten für die Zeit danach hingen vom weiteren Verlauf der Pandemie ab.

Die schon zweite Notfall-Zinssenkung der US-Notenbank innerhalb von zwei Wochen werde am Markt als Akt der Verzweiflung gesehen, kommentiert Terence Wong, CEO von Azure Capital in Singapur, die negative Reaktion an den Börsen. Die Notenbank verschieße damit innerhalb kürzester Zeit ihr Pulver. Eine weitere Lockerung der Geldpolitik sei nun nicht mehr möglich.

Die Analysten von Goldman Sachs rechnen derweil mit einem Einbruch des US-Bruttoinlandsprodukts um 5 Prozent im zweiten Quartal. Das laste auf den Märkten, sagt Rick Lacaille, Chief Investment Officer bei State Street Global Advisors. Es sei schwer einzuschätzen, wie lange die Wirtschaft beeinträchtigt werde.

   Corona-Pandemie hinterlässt Spuren in Konjunkturdaten 

Was auf andere Volkswirtschaften zukommen könnte, zeigten zuletzt bereits chinesische Konjunkturdaten. Im Januar und Februar waren die Industrieproduktion und die Einzelhandelsumsätze drastisch zurückgegangen. In den USA brach derweil der Empire State Manufacturing Index im März ein auf minus 21,5 von plus 12,9 im Februar. Volkswirte hatten den Index im März immerhin noch bei plus 3,5 gesehen.

Die Konjunkturängste zeigen sich auch am Ölmarkt, wo der Preis für ein Barrel US-Rohöl um 9,4 Prozent auf 28,76 Dollar fällt. Brentöl verbilligt sich um 12,4 Prozent auf 29,65 Dollar.

Gold ist trotz der Risikoscheu der Anleger nicht gesucht. Der Preis für die Feinunze sinkt um 5,5 Prozent auf 1.462 Dollar. Marktbeobachter vermuten hinter dem Preisverfall Notverkäufe von Anlegern, die Verluste an anderer Stelle kompensieren müssen.

Nach der Fed-Zinssenkung vom Wochenende gibt der Dollar nach. Der Euro steigt im Gegenzug auf rund 1,1140 Dollar. Am Freitag notierte die Gemeinschaftswährung im Tagestief bei 1,1080 Dollar. Der Dollar-Index fällt um 0,7 Prozent.

Am Anleihemarkt bricht die Rendite zehnjähriger US-Anleihen um 25 Basispunkte ein auf 0,73 Prozent.

   Zinssenkung schickt Finanzwerte auf Talfahrt 

Mit die höchsten Verluste verzeichnen Finanzwerte, denen die erneut gesenkten Zinsen das Geschäft erschweren. Bankenwerte sind mit Abgaben von durchschnittlich rund 15 Prozent die größten Verlierer. Im Dow stürzen JP Morgan um gut 18 Prozent ab, American Express verlieren 17,2 Prozent.

In der allgemeinen Panik finden Nachrichten zu einzelnen Unternehmen keine Beachtung. Der Kurs von Apple fällt mit dem schwachen Markt um 12,5 Prozent. Das Unternehmen muss in Frankreich ein Bußgeld von 1,1 Milliarden Euro zahlen, weil es nach Einschätzung der dortigen Wettbewerbsbehörde mit zwei Großhändlern Absprachen zu Lasten von unabhängigen Einzelhändlern getroffen hat.

Microsoft büßen 11,8 Prozent ein. Unternehmensgründer Bill Gates hat am Freitag seinen Rückzug aus dem Verwaltungsrat angekündigt, um sich verstärkt wohltätigen Zwecken wie dem Kampf gegen Krankheiten weltweit, der Entwicklungspolitik, der Bildung und dem Kampf gegen den Klimawandel zu widmen.

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INDEX                 zuletzt      +/- %       absolut      +/- % YTD 
DJIA                20.439,48     -11,84      -2746,14         -28,38 
S&P-500              2.414,21     -10,95       -296,81         -25,27 
Nasdaq-Comp.         6.964,70     -11,56       -910,18         -22,38 
Nasdaq-100           7.077,91     -11,47       -917,35         -18,95 
 
US-Anleihen 
Laufzeit              Rendite   Bp zu VT    Rendite VT      +/-Bp YTD 
2 Jahre                  0,35      -14,8          0,50          -84,8 
5 Jahre                  0,50      -21,7          0,72         -142,4 
7 Jahre                  0,66      -24,9          0,91         -158,3 
10 Jahre                 0,73      -25,2          0,98         -171,7 
30 Jahre                 1,36      -18,4          1,55         -170,5 
 
DEVISEN               zuletzt      +/- %  Mo, 9:44 Uhr  Fr, 17:38 Uhr   % YTD 
EUR/USD                1,1138     -0,20%        1,1208         1,1062   -0,7% 
EUR/JPY                117,43     -1,10%        119,13         118,99   -3,7% 
EUR/CHF                1,0541     -0,30%        1,0549         1,0565   -2,9% 
EUR/GBP                0,9097     +1,10%        0,9064         0,8944   +7,5% 
USD/JPY                105,45     -0,87%        106,32         107,55   -3,1% 
GBP/USD                1,2244     -1,29%        1,2366         1,2366   -7,6% 
USD/CNH (Offshore)     7,0268     +0,24%        7,0100         7,0302   +0,9% 
Bitcoin 
BTC/USD              4.632,01    -13,45%      4.855,76       5.365,01  -35,8% 
 
 
 
ROHOEL                zuletzt  VT-Settl.         +/- %        +/- USD   % YTD 
WTI/Nymex               28,76      31,73         -9,4%          -2,97  -52,4% 
Brent/ICE               29,65      33,85        -12,4%          -4,20  -54,2% 
 
METALLE               zuletzt     Vortag         +/- %        +/- USD   % YTD 
Gold (Spot)          1.461,68   1.545,96         -5,5%         -84,28   -3,7% 
Silber (Spot)           12,47      14,80        -15,8%          -2,33  -30,2% 
Platin (Spot)          653,95     755,85        -13,5%        -101,90  -32,2% 
Kupfer-Future            2,35       2,47         -4,6%          -0,11  -16,1% 
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March 16, 2020 10:07 ET (14:07 GMT)

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Quelle:Dow Jones  16.03.2020 15:07


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