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DJ MÄRKTE EUROPA/Starke Konjunkturdaten treiben Aktien und Euro an



Von Herbert Rude

FRANKFURT (Dow Jones)--Unerwartet gute Konjunkturdaten aus Europa haben am Dienstag die Stimmung an den europäischen Aktienmärkten angeheizt. Der DAX stieg um 2,1 Prozent auf 12.524 Punkte, der Euro-Stoxx-50 zog um 1,8 Prozent auf 3.299 Punkte an. Beide Indizes markierten die höchsten Stände seit knapp zwei Wochen.

"Der Markt bleibt im Spannungsfeld zwischen einer langsamen 'U-förmigen' und einer schnellen 'V-förmigen' Erholung", sagte ein Händler. In der Eurozone waren die Einkaufsmanagerindizes für Juni durchweg klar besser ausgefallen als geschätzt - teils erreichten sie sogar Werte über 50, die auf Expansion hindeuteten. Die Lockerungen der Corona-Beschränkungen hatten offenkundig die Unternehmensstimmung deutlich aufgehellt. Damit bekamen die Optimisten Oberwasser, obwohl sich die deutschen "Wirtschaftweisen" skeptisch zeigten und eine tiefe Rezession sehen.

Von den Einkaufsmanager-Indizes profitierten die zyklischen Branchen wie die deutlich zurückgebliebenen Auto-Aktien, deren Stoxx-Branchenindex um 3,3 Prozent anzog. Mit dem Sektorenindex der Bankentitel ging es um 2,6 Prozent nach oben, mit dem Stoxx-Barometer der Roh- und Grundstoffwerte um 2,1 Prozent. Auch der Euro profitierte, er stieg bis zum Handelsschluss an den Aktienmärkten auf rund 1,1325 Dollar. Von der Dollar-Schwäche profitierte wiederum der Goldpreis, der zeitweise den höchsten Stand seit 2012 markierte.

Zu den Gewinnern gehörte auch der Stoxx-Index der Versicherer, der um 1,9 Prozent stieg. Er profitierte von kräftigen Gewinnen bei Aegon, die mit einer Kaufempfehlung der Berenberg-Bank 8,5 Prozent nach oben schnellten.

   Bayer kräftig im Aufwind - Hoffnung auf Glyphosat-Einigung 

Einer der großen Gewinner im DAX stellten Bayer. Sie stiegen um 5,7 Prozent. Kalifornien war mit dem Vorstoß gescheitert, Bayer zu einer Warnung vor angeblichen Krebsrisiken des glyphosathaltigen Unkrautvernichters Roundup zu verpflichten. Ein Bundesgericht blockierte dies, weil die US-Umweltbehörde EPA und andere die Sicherheit des Unkrautvernichters bestätigt hätten. Das Handelsblatt berichtete indes, eine Einigung mit den Glyphosat-Klägern in den USA stehe unmittelbar bevor und könnte einen Vergleich im Umfang von 8 bis 10 Milliarden beinhalten. Bayer wollte den Bericht nicht kommentierten.

Noch stärker im Plus lagen im DAX nur die Aktien von Wirecard. Mit Blick auf das Plus von 19 Prozent auf 17,15 Euro sprachen Händler von terminorientierten Käufen solcher Anleger, die bisher auf fallende Kurse gesetzt hätten und nun ihre Gewinne realisierten. Die Verhaftung von Ex-Konzernschef Markus Braun habe sich dagegen abgezeichnet und die Kursfindung nicht beeinflusst. Der Kurs war mit dem Krimi um die verschwundenen Milliarden in den vergangenen Tagen zeitweise um fast 88 Prozent abgesackt. Braun wurde am Nachmittag gegen Kaution wieder auf freien Fuß gesetzt.

   Einigung mit Softbank treibt T-Aktie 

Als "elegant" wurde im Handel die Einigung zwischen Deutsche Telekom und Softbank über den schon länger von den Japanern geplanten Teilausstieg aus ihrer T-Mobile US-Beteiligung beschrieben. Softbank, die dringend Kapital benötigt, wurde die Möglichkeit eingeräumt, innerhalb der nächsten sechs Monate insgesamt rund 193 Millionen T-Mobile US-Aktien über den Markt zu verkaufen. Die Bonner erhalten Kauf-Optionen über insgesamt 101 Millionen von Softbank gehaltene T-Mobile US-Aktien. Damit sei beiden Seiten gedient, hieß es im Handel. Die T-Aktie legte um 2,1 Prozent zu.

   Klöckner rechnet überraschend mit Gewinn 

Um gleich 17 Prozent nach oben ging es für Klöckner & Co. Der Stahlhändler wird im zweiten Quartal entgegen den bisherigen Erwartungen voraussichtlich einen operativen Gewinn ausweisen. Bislang war Klöckner von einem operativen Verlust ausgegangen. Salzgitter legten in diesem Sog um 7,4 Prozent zu. Prosiebensat1 stiegen um 6 Prozent, nachdem KKR den Anteil ausgebaut hatte.

Um weitere 4,5 Prozent nach unten ging es mit Lufthansa. Compugroup verloren nach einer Kapitalerhöhung im Schnellverfahren 4 Prozent. Die Mittel sollen zur Stärkung der Eigenkapitalbasis und Unterstützung des weiteren Wachstumskurses eingesetzt werden. Trotzdem schloss auch der TecDAX deutlich um 1,6 Prozent im Plus und beendete den Handel mit knapp 3.001 Punkten wieder über der psychologisch wichtigen 3.000er Marke.

Nach dem Anstieg von 15 Prozent am Vortag gewannen Süss Microtec weitere 16 Prozent. Das Unternehmen hatte am Montag kurz vor Handelsschluss mitgeteilt, dass der Auftragseingang im zweiten Quartal weit über den Erwartungen liege.

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Index                   Schluss-  Entwicklung   Entwicklung  Entwicklung 
                          stand       absolut          in %         seit 
                                                            Jahresbeginn 
Euro-Stoxx-50           3.298,83       +57,14         +1,8%       -11,9% 
Stoxx-50                3.058,19       +38,28         +1,3%       -10,1% 
Stoxx-600                 367,40        +4,70         +1,3%       -11,7% 
XETRA-DAX              12.523,76      +260,79         +2,1%        -5,5% 
FTSE-100 London         6.320,12       +75,50         +1,2%       -17,2% 
CAC-40 Paris            5.017,68       +68,98         +1,4%       -16,1% 
AEX Amsterdam             574,19        +9,13         +1,6%        -5,0% 
ATHEX-20 Athen          1.634,52       +12,39         +0,8%       -28,9% 
BEL-20 Brüssel          3.433,88       +50,62         +1,5%       -13,2% 
BUX Budapest           37.595,83      +402,72         +1,1%       -18,4% 
OMXH-25 Helsinki        3.990,43       +53,61         +1,4%        -5,5% 
ISE NAT. 30 Istanbul  133.689,92      +117,98         +0,1%        -3,7% 
OMXC-20 Kopenhagen      1.279,83       +20,27         +1,6%       +12,7% 
PSI 20 Lissabon         4.414,20       +35,48         +0,8%       -14,7% 
IBEX-35 Madrid          7.438,40       +92,70         +1,3%       -22,1% 
FTSE-MIB Mailand       19.841,58      +362,85         +1,9%       -17,1% 
RTS Moskau              1.281,18       +24,41         +1,9%       -17,3% 
OBX Oslo                  732,27        +6,65         +0,9%       -13,2% 
PX  Prag                  933,25        +6,13         +0,7%       -16,4% 
OMXS-30 Stockholm       1.683,36       +25,65         +1,5%        -5,0% 
WIG-20 Warschau         1.825,99       +28,94         +1,6%       -15,1% 
ATX Wien                2.309,91       +30,41         +1,3%       -27,8% 
SMI Zürich             10.246,56       +95,43         +0,9%        -3,5% 
 
Rentenmarkt              zuletzt                absolut    +/- YTD 
Dt. Zehnjahresrendite      -0,44                   0,03      -0,68 
US-Zehnjahresrendite        0,72                   0,02      -1,96 
 
DEVISEN                  zuletzt      +/- %    Di, 8:24  Mo, 17:39   % YTD 
EUR/USD                   1,1322     +0,52%      1,1264     1,1255   +1,0% 
EUR/JPY                   120,49     +0,06%      120,76     120,24   -1,2% 
EUR/CHF                   1,0687     +0,14%      1,0670     1,0668   -1,6% 
EUR/GBP                   0,9036     +0,03%      0,9043     0,9040   +6,8% 
USD/JPY                   106,44     -0,44%      107,20     106,83   -2,2% 
GBP/USD                   1,2527     +0,49%      1,2455     1,2449   -5,5% 
USD/CNH (Offshore)        7,0555     -0,04%      7,0719     7,0585   +1,3% 
Bitcoin 
BTC/USD                 9.683,76     -0,01%    9.621,01   9.479,01  +34,3% 
 
ROHÖL                    zuletzt  VT-Settl.       +/- %    +/- USD   % YTD 
WTI/Nymex                  40,96      40,73       +0,6%       0,23  -29,8% 
Brent/ICE                  43,48      43,08       +0,9%       0,40  -31,0% 
 
METALLE                  zuletzt     Vortag       +/- %    +/- USD   % YTD 
Gold (Spot)             1.766,55   1.754,20       +0,7%     +12,35  +16,4% 
Silber (Spot)              17,91      17,90       +0,1%      +0,01   +0,4% 
Platin (Spot)             832,35     826,50       +0,7%      +5,85  -13,8% 
Kupfer-Future               2,65       2,65       +0,0%      +0,00   -5,7% 
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June 23, 2020 12:02 ET (16:02 GMT)

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Quelle:Dow Jones  23.06.2020 18:02


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