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DJ MÄRKTE EUROPA/Schwach - Ölwerte lösen Techs an Verliererspitze ab



Von Herbert Rude

FRANKFURT (Dow Jones)--Schwache Vorlagen der US-Börsen haben am Dienstag auch an den europäischen Aktienmärkten auf die Stimmung gedrückt. Der DAX fiel um 1 Prozent auf 12.968 Punkte, der Euro-Stoxx-50 um 1,4 Prozent auf 3.267 Punkte. Zwischenzeitlich war es noch tiefer gegangen, unter anderem wegen der Tesla-Aktie, die ihre Korrektur mit Abschlägen von zeitweise fast 20 Prozent fortsetzte. "Aber auch sonst sind Marktteilnehmer ernüchtert", sagte ein Händler.

"Die Anleger haben Angst vor einer stärkeren Korrektur der hochbewerteten Technologie-Werte, die auch noch hochgewichtet sind", so der Marktteilnehmer. Außerdem rückten Risikofaktoren wie die US-Wahl und der Brexit näher. In London begann eine neue Verhandlungsrunde zwischen der EU und Großbritannien über die Beziehungen nach dem Brexit. Der Euro stieg daraufhin im Verlauf gegen das Pfund auf den höchsten Stand seit dem 19. August.

"Die Leichtigkeit der Sommerrally ist passe'", so der Händler. Zu Mailand hieß es, der jüngste Anstieg der Spreads von italienischen Bundesanleihen habe dort zusätzlich die Stimmung belastet. Der MIB führte den Abschwung bei den größeren europäischen Börsen mit einem Minus von 1,8 Prozent an, belastet von schwachen italienischen Konjunkturdaten. Der Einzelhandelsumsatz ist im Juli um 2,2 Prozent gesunken und hat damit die Hoffnung auf eine Fortsetzung der Erholung vom Coronavirus-Einbruch nicht erfüllt.

Aus technischer Sicht sei es ungünstig, dass die Erholung am Montag nur von geringen Umsätzen begleitet wurde, so der Markteilnehmer. Nun zögen die Umsätze bei fallenden Kursen wieder an.

   Ölpreise auf tiefstem Stand seit 11. Juni 

Da sich die Talfahrt der US-Technologiewerte nicht so schnell fortsetzte wie befürchtet, gaben die europäsischen Technologiewerte die rote Laterne schließlich an die Öl- und Gas-Aktien ab. Deren Stoxx-Branchen-Index fiel um 3,7 Prozent. Der Preis für ein Barrel der Nordsee-Ölsorte Brent rutschte auf den tiefsten Stand seit dem 11. Juni.

Der Stoxx-Index der europäischen Technologie-Aktien gab um 2,1 Prozent nach. Im DAX verloren Infineon 1,9 und SAP 2,5 Prozent. In den Niederlanden fielen ASML um 2,2 Prozent, in Mailand STMicro um 3,4 Prozent. In der zweiten Reihe des deutschen Markts gab der TecDAX um 1,6 Prozent nach.

   Auto-Aktien an der Gewinnerspitze - VW auf der Überholspur 

An der Gewinnerspitze stand der Stoxx-Index der Auto-Aktien. Er stieg um 0,4 Prozent. VW-Vorzüge kletterten um weitere 0,9 Prozent auf 151,16 Euro, nachdem sie am Montag bereits 4,7 Prozent gewonnen hatten.

Verursacht wurde die Rally der VW-Aktien laut Marktteilnehmern von Aussagen des VW-Betriebsratsschefs Bernd Osterloh. Dieser sieht gute Chancen, dass VW spätestens 2023 Tesla bei der Produktion von Elektro-Autos einholt oder gar überholt. "Die Marktkapitalisierung von Tesla liegt bei 400 Milliarden Dollar und ist höher als die aller anderen Autobauer zusammen, wenn man Toyota rausnimmt", so ein Händler. Bei VW seien die Vorzüge knapp 31 Milliarden Euro wert und die Stämme etwa 44 Milliarden Euro. Das ergebe einen Gesamtwert von etwa 75 Milliarden Euro oder 88 Milliarden Dollar.

"Sollte VW Tesla bei Elektro-Autos überholen, müssten die Vorzüge auf 600 Euro steigen", sagte ein weiterer Marktteilnehmer. "Es sei denn der Kurs von Tesla fällt", ergänzte er. Im Fahrwasser von VW stiegen BMW ebenfalls um 0,9 Prozent und Daimler um 1,1 Prozent. Im DAX schlossen auch BASF fest und gewannen 1,5 Prozent.

   Spekulationen weitere Lufthansa-Sparmaßnahmen belasten 

Keine guten Nachrichten vor allem für Airbus und MTU sahen Händler hinter Berichten über einen noch stärkeren Sparkurs der Lufthansa. Diese fielen um 1,7 Prozent. Airbus verloren 4 Prozent und MTU 1,8 Prozent. "Wer Flugzeuge stilllegt, kauft keine neuen", kommentierte ein Händler einen Bericht des "Handelsblatt". Mit Berufung auf Kreise hieß es dort, die Flotte der Lufthansa könnte um noch mehr als 100 Flugzeuge schrumpfen.

Für die Aktie von Swiss Re ging es um 0,2 Prozent nach oben. Positiv wurden die Aussagen zu der anstehenden Erneuerungsrunde gewertet. Angesichts zunehmender Risiken, hoher Schadensforderungen und niedriger Zinsen erwarte Swiss Re über alle Segmente hinweg weiter anziehende Preise. Munich Re gaben um 0,9 Prozent nach, obwohl sich die Analysten von Berenberg positiv geäußert hatten.

   Kurseinbruch bei Europcar 

Einen Kurseinbruch um 39,4 Prozent verzeichnete die Aktie von Europcar. Der Autovermieter will angesichts der Auswirkungen der Coronavirus-Krise mit seinen Kreditgebern über eine finanzielle Neuaufstellung verhandeln. Die Covid-19-Pandemie hatte den Autovermieter stark getroffen und ihm im zweiten Quartal einen Verlust von 181 Millionen Euro beschert.

In der dritten Reihe des deutschen Markts verloren Instone 5,6 Prozent auf 20,05 Euro. Am Mittwoch endet der Bezugsrechtshandel. Wegen des ungeraden Bezugsverhältnisses war schon bei der Ankündigung der Kapitalerhöhung mit Druck auf den Kurs zum Ende des Bezugsrechtshandels gerechnet worden. Statt eines geraden Verhältnisses von beispielsweise 4 zu 1 hatte Instone 15 zu 4 gewählt. Daraus errechnen sich dann automatisch Überhänge: Wer 100 Aktien hat, wird möglicherweise 24 beziehen und 10 Rechte verkaufen. Bei 4 zu 1 hätte er bei 100 Aktien vermutlich 25 neue bezogen und dann keinen Überhang mehr besessen. Die neuen Aktien kosten 18,20 Euro je Stück.

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Index                  Schluss-  Entwicklung  Entwicklung   Entwicklung 
.                         stand      absolut         in %          seit 
.                                                          Jahresbeginn 
Euro-Stoxx-50          3.267,37       -46,70        -1,4%        -12,8% 
Stoxx-50               2.944,22       -33,46        -1,1%        -13,5% 
Stoxx-600                363,75        -4,22        -1,1%        -12,5% 
XETRA-DAX             12.968,33      -131,95        -1,0%         -2,1% 
FTSE-100 London        5.930,30        -7,10        -0,1%        -21,3% 
CAC-40 Paris           4.973,52       -80,20        -1,6%        -16,8% 
AEX Amsterdam            540,79        -6,35        -1,2%        -10,6% 
ATHEX-20 Athen         1.502,77       -33,01        -2,1%        -34,6% 
BEL-20 Brüssel         3.303,23       -56,15        -1,7%        -16,5% 
BUX Budapest          35.037,61       -10,27        -0,0%        -24,0% 
OMXH-25 Helsinki       4.269,21       -43,88        -1,0%         +1,1% 
ISE NAT. 30 Istanbul   1.221,99        -9,88        -0,8%        -12,0% 
OMXC-20 Kopenhagen     1.290,46       -20,08        -1,5%        +13,6% 
PSI 20 Lissabon        4.308,44       -47,56        -1,1%        -18,3% 
IBEX-35 Madrid         6.955,00      -125,70        -1,8%        -27,2% 
FTSE-MIB Mailand      19.380,18      -357,83        -1,8%        -16,0% 
RTS Moskau             1.191,60       -26,92        -2,2%        -23,1% 
OBX Oslo                 738,56       -11,40        -1,5%        -12,4% 
PX  Prag                 903,66        -5,51        -0,6%        -19,0% 
OMXS-30 Stockholm      1.782,60       -16,66        -0,9%         +0,6% 
WIG-20 Warschau        1.733,88       -38,97        -2,2%        -19,4% 
ATX Wien               2.217,79       -33,87        -1,5%        -28,4% 
SMI Zürich            10.250,44       -47,36        -0,5%         -3,5% 
 
DEVISEN               zuletzt      +/- %  Di, 7:55 Uhr  Mo, 17:31 Uhr   % YTD 
EUR/USD                1,1790     -0,21%        1,1805         1,1821   +5,1% 
EUR/JPY                124,95     -0,50%        125,46         125,61   +2,5% 
EUR/CHF                1,0807     -0,19%        1,0834         1,0820   -0,5% 
EUR/GBP                0,9043     +0,75%        0,8990         0,8980   +6,9% 
USD/JPY                105,97     -0,29%        106,27         106,26   -2,6% 
GBP/USD                1,3040     -0,93%        1,3135         1,3163   -1,6% 
USD/CNH (Offshore)     6,8529     +0,31%        6,8353         6,8328   -1,6% 
Bitcoin 
BTC/USD             10.099,01     -0,52%     10.234,76      10.119,51  +40,1% 
 
ROHÖL                 zuletzt  VT-Settl.         +/- %        +/- USD   % YTD 
WTI/Nymex               36,62      39,77         -7,9%          -3,15  -36,1% 
Brent/ICE               39,43      42,01         -6,1%          -2,58  -36,1% 
 
METALLE               zuletzt     Vortag         +/- %        +/- USD   % YTD 
Gold (Spot)          1.928,35   1.929,18         -0,0%          -0,83  +27,1% 
Silber (Spot)           26,47      27,03         -2,0%          -0,55  +48,3% 
Platin (Spot)          909,45     911,83         -0,3%          -2,38   -5,8% 
Kupfer-Future            3,00       3,05         -1,7%          -0,05   +6,1% 
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September 08, 2020 12:13 ET (16:13 GMT)

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Quelle:Dow Jones  08.09.2020 18:13


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